Ein ganz normaler Feierabend

Hallo liebes Tagebuch, liebe Lesenden, lieber Daniel…!

Ich komme gerade vom Nachtdienst. Noch eine Nacht, dann ist der 8er Block vorbei und ich habe 6 Tage frei. Wenn keiner fragt, ob ich einspringen soll. Aber das mache ich auch nicht mehr jedes Mal, dieses Mal werde ich glaube ich nein sagen, wenn einer fragt. Brauche dringend eine Erholungspause, ich habe echt viele Nächte mit echt wenig Pausen gemacht im letzten Monat!

Kollegen – Gespräche in der Nacht

Heute Nacht habe ich mit meiner liebsten Kollegin wieder über eine interessante Frage diskutiert. Wie seht ihr das? Wenn ein Mensch ausschließlich nachts arbeitet – also auch viel in der Nacht lebt und tagsüber schläft – ist es komisch oder legitim, nach der Arbeit ein Glas Wein oder ein kleines Heineken zu trinken…

Da habe ich schon mit XXX Nachtdienst Kollegen drüber geredet in den ganzen Jahren, die Meinungen gegen bei dem Thema sehr auseinander bei den Freunden der Nacht! Meine Kollegin von heute Nacht macht das auch regelmäßig, sie kann dann besser schlafen.

Alkohol am Morgen?

Immerhin ist das ja der Feierabend von Nachtdienstlern. Und es ist eh schon recht einsam morgens früh, weil fast alle im Umfeld ja arbeten sind. Da kommt so ein Gläschen Weißwein doch gerade recht, also nur gelegentlich. Oder was meinst du?

Ich selbst trinke nach dem Nachtdienst so gut wie nie. Einfach weil ich das Gefühl nicht mag, zu wissen, dass ich abends wieder arbeiten muss und am gleichen Tag vorher getrunken habe. Aber ich finde es nicht asozial oder seltsam, wenn Kollegen das tun, warum auch.

Ich kenne einen, mit dem ich nachts lange im gleichen Krankenhaus gearbeitet habe, dessen Frau hat sich nach über 15 Jahren getrennt…wegen dem Nachtdienst und dem Bierchen danach. Die Lebensweise sei einfach zu verschieden, meinte sie.

Nachtdienst als Beziehungskiller?

Ich hab auch manchmal das Gefühl, die Lebensweise von mir und meinem Partner ist zu verschieden. Und mich stört sein 9 to 5 Job auch. Unter der Woche ist er von 6.30 Uhr morgens bis 18.30 Uhr abends unterwegs, die Fahrt ist sehr lang. So bin ich also hier in dieser Zeit mit allem alleine. Und wenn ich frei habe, ist da halt nie jemand, der mich entlastet.

Es fühlt sich halt oft an, als sei ich weiterhin alleinerziehend. Am Wochenende ist er dann erst Samstag Abend wieder einigermaßen zu gebrauchen, ansonsten ist er Montag bis Freitag todmüde von der langen Autofahrt und dem Job. Dann pennt er schon beim Essen fast ein und ist zu nichts wirklich zu gebrauchen.

Oft habe ich das Gefühl, er ist nur physisch anwesend, schläft aber psychisch schon…. das ist richtig schwer und einer der Hauptgründe, weswegen ich mit unserer Beziehung wirklich nicht mehr so glücklich bin.

Ich meine, da könnte ich mich auch beschweren. Warum sollte immer der, der die ungewöhnlichen Zeiten hat, „schuld“ sein? Ich bin, im Gegensatz zu ihm, mit meinem Job sehr glücklich. Er hingegen geht nicht wirklich gerne hin und geldmäßig lohnt mein Job sich auch sehr viel mehr.

Umziehen für den Traumjob der Frau?

Deswegen habe ich auch durchgesetzt, dass wir in die Nähe von MEINEM Arbeitsplatz ziehen. Auch wenn er dann etwas weiter fahren muss. Alle fanden mich deswegen egoistisch. Das raff ich null. Wenn eine Familie wegen dem Job des MANNES als Hauptverdiener umzieht, ist das etwas völlig Normales.

Zudem hat er ein Auto und ich fahre nicht,bin also auf den ÖVP / mein Bike angewiesen. UND ich verdiene sehr viel mehr, liebe meinen Job und habe einen unbefristeten Vertrag, bei dem ich in Stufen nach und nach immer mehr verdiene. Vorher wohnten wir weit weg (knapp 30 km) von meinem Job und ihr wisst ja wahrscheinlich, wie der ÖPNV in Deutschland so ist.

Ich war PRO FAHRT oft über 2 Stunden unterwegs. Es wäre echt bescheuert gewesen, den Job deswegen an den Nagel zu hängen. So einen finde ich nie wieder, besser geht es wirklich nicht.

Aber bis ich diesen Umzug durchgeboxt hatte, das war echt voll der Kampf. Ihn hätte es auch null gejuckt, wenn ich meinen Traumjob hätte deswegen kündigen müssen.

Beruflich zurückstecken, auch als Mann?

Und ich habe schon jahrelang VORHER ständig beruflich zurück gesteckt. Als alleinerziehende Mutter kann ich gerade in der Pflege natürlich nicht einfach jede Dienstzeit abdecken. Dann klam ich mit ihm zusammen, ist jetzt 8 Jahre her. Er machte schnell sehr klar, dass er gerne für meine Tochter wie ein Vater wäre, dass wer sie liebt wie sein eigenes Kind.

Dazu zählt aber scheinbar nichts, was mit Verantwortung und Abstrichen zu tun hat. So darf ich scheinbar nicht verlangen, dass er wegen meinem Job umzieht, dann ist er auf einmal nicht wirklich als Vater in der Pflicht. Oder dass er auch mal zu Hause bleiben könnte, wenn das Kind krank ist. Oder dass er zu Veranstaltungen mitkommt. Oder eben finanziell auch ER alles teilt..

Das ist echt ein Zwiespalt als alleinerziehende Mutter mit neuem Partner – einerseits möchte er voll miteinbezogen werden, oft wie der „richtige“ Vater angesehen werden…aber die PFLICHTEN hat er eben nicht und oft fällt es mir auch schwer, ihn da in die Pflicht zu nehmen.

Unsere Beziehung ist schon echt kompliziert geworden. Oft glaube ich, es klappt einfach nicht mit uns, trotz Liebe, wir sind einfach zu unterschiedlich. In ganz vielen Beziehungen. Was wir erlebt haben, was wir erleben möchten und wie wir uns unsere Zukubnft vorstellen, all das ist bei uns vielleicht einfach zu verschieden. Und er wird NIEMALS seinen Job an den Nagel hängen, dazu ist er zu sehr Routinemensch.

Warum verharrt man, wenn man unglücklich ist

Ich verstehe sowas nicht. Warum man in einem Job seit über 20 Jahren verharrt, der einen nicht glücklich macht, den man nicht mal einigermaßen gerne macht. Aber ich weiß, dass es so kommen wird. Zwar sagt er immer, er hört dort auf, aber er hat da viel zu viel Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser. Braucht er eigentlich nicht, da er sehr viel gespart hat und außerdem mein Gehalt locker für ein, zwei Jahre reichen würde zum Leben. Ist aber so.

Keine Ahnung, wie oft ich schon mit ihm darüber geredet habe, dass mich das unglücklich macht, weil ja SEINE Entscheidung für diesen Job auch MEIN Leben sehr beeinflusst. Aber wenn sich in 8 Jahren nichts geändert hat, dann denke ich, manches wird sich auch in 20 nicht mehr ändern. Erst dann, wenn er halt in Rente geht.

Und ich muss natürlich solange, wenn wir zusammen bleben, mit diesem Job leben. Auch damit, dass er 6 von 7 Tagen die Woche oft wie ein Roboter wirkt, nicht wirklich Zeit und Energie für uns übrig hat und es mir im Urlaub immer wieder auffällt, wie anders er ist, wenn er nicht arbeiten muss, ich es aber nicht ändern kann.

Während von mir selbst bei jeder Veränderung meines Kindes verlangt wird, dass ich jederzeit meinen Job hinschmeißen würde, wenn es mit der Betreuung nicht mehr passt oder sonstwas passieren würde.

Ein positives Beispiel – der Mann ist zu Hause

Ich bin so oft begeistert von dem Leben, was eine Kollegin mit ihrem Mann und den zwei Kindern führt. ER ist zu Hause, SIE verdient das Geld. Ich war schon dort und er hat den Haushalt PERFEKT im Griff, sie muss sich um so gut wie nichts kümmern.

Wäre echt mein Traum, so ein Leben. Und icgh verdiene weitaus mehr als sie, doch trotzdem würde mein Partner NIEMALS diese Rolle einnehmen.

Zwischen Liebe, Pflicht und Freiheit

Vielleicht ist das genau das Dilemma: Wir reden immer von Gleichberechtigung, aber im Alltag leben so viele Paare noch in alten Mustern – nur dass sie heute moderner verpackt sind.

Ich will gar keinen Mann, der mir alles abnimmt. Ich will einfach jemanden, der mit mir durchs Leben geht. Der nicht nur funktioniert, sondern auch mal innehält.
Der nicht nur ruht, sondern wirklich da ist.

Vielleicht ist das zu viel verlangt. Vielleicht auch nicht. Aber ich weiß, dass ich irgendwann nicht mehr die Einzige sein möchte, die nachts wach ist – während der andere längst schläft. 🌙

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